Saturday, April 23, 2016

Street Food on Food Street




Essen auf der Straße, ein großes Familienvergnügen am Samstagabend.

Balan Nambiar House & Studio




Der indische Bildhauer, Maler, Fotograf und Wissenschaftler Balan Nambiar war so freundlich, uns bangaloREsidents in sein Haus einzuladen und uns ein großartiges Mittagessen zu servieren. In angenehmer Atmosphäre konnten wir interessante Gespräche führen, einen Einblick in seine Arbeit und seine Bibliothek gewinnen sowie die Ruhe seines wunderschönen Hauses genießen.



Balan Nambiar hat mit allen Materialien gearbeitet und viele wichtige Preise gewonnen. Seit mehr als 15 Jahren fertigt er seine Skulturen aus rostfreiem Stahl. In seinem Haus gibt es viele Modelle und kleine Skulpturen zu betrachten.



Als Wissenschaftler hat er vor allem die rituelle Kunst der Westküste Südindiens dokumentiert und erforscht. Seine Sammlung gibt einen kleinen Einblick in dieses Forschungsgebiet. Seine Kunst ist mitunter von traditionellen Kultgegenständen inspiriert.


Ein rundum gelungener Nachmittag.



Weitere Informationen: http://balannambiar.com/

Wednesday, April 20, 2016

Garden City I: Lal Bagh – Botanischer Garten




Der Lal Bagh ist der Botanische Garten von Bangalore. Angelegt von Hyder Ali im Jahr 1760, des öfteren erweitert, ist er knapp einen Quadratkilometer groß und beherbergt nach Wikipedia Indiens größte Sammlung Tropischer Pflanzen. Angeblich hat Hyder Ali auch die Thigala geholt, eine Kaste von Spezialisten der Gartenkultur und des Gemüseanbaus.



Mit Deutschland ist der Lal Bagh durch die Arbeit von Gustav Herrmann Krumbiegel verbunden, einem deutschen Botaniker und Gartenarchitekten, der von 1908 bis 1932 Chefgärter war. Er verbesserte nicht nur den Botanischen Garten selbst, sondern legte auch zahlreiche Alleen in der Stadt an und förderte damit Bangalores Ruf als Gartenstadt. Er ist wohl auch dafür verantwortlich, dass in Bangalore die verschiedenen Jahreszeiten farblich konnotiert sind: immer wenn eine Baumblüte vorüber ist, wird sie durch die nächste – andersfarbige – abgelöst.



Mein erster Besuch war heute am späten Nachmittag zum Sonnenuntergang, kurz vor Toresschluss. Insofern habe ich einige Attraktionen – etwa das dem Londonder Kristallpalast nachempfundene große Gewächshaus – nicht gesehen. Der kleine Spaziergang zeigt jedoch die beeindruckende Landschaft mit Seen und dem Felsen, auf dem der Kempegowda Turm steht.



Der Park wird insebsondere morgens früh, wenn er um 6:00 die Tore öffent, von Sportler_innen aller Couleur überrant (habe ich mir sagen lassen). Jogger, Walker, Yogis gehen hier – wenn es noch nicht so heiß ist – ihrem Frühsport nach. Außerdem ist der Eintritt bis 9:00 frei.



Am Abend, wenn die Hitze des Tages langsam ein wenig zurück geht, gibt es auch wieder zahlreiche Besucher_innen. Man sieht Paare, die hier genug Privatheit auf einer Bank finden, Familien, die sich zum Picknick treffen, Kinder, die Federball spielen oder Spaziergänger_innen, die sich nach einem Tag im Büro noch einmal draußen bewegen möchten. Es ist nicht so, dass man komplett vom Lärm der Stadt abgeschirmt ist, aber der Sound des notorisch hupenden Autoverkehrs ist wunderbar abgemildert. Kurz vor Einbruch der Dunkelheit gab es sogar einen sehr magischen Moment, an dem aus zwei Richtungen die Muezzine zu hören waren, darunter ein entferntes Hupen und nebenher noch das Gekächze der Krähen.



Zudem gab es einen phantastischen Sonnenuntergang mit einem roten Feuerball zu besichtigen, während gleichzeitig auf der geegnüberliegenden Seite des Parks der Vollmond aufging.



Dann war es plötzlich dunkel und das Schrillen der Trillerpfeifen der Parkwächter machte darauf aufmerksam, dass der Park nun zu verlassen sei.



Nachtrag: Im Schloss Pillnitz bei Dresden gibt es 2016 ein Themenjahr zum Gärtner des Maharadschas Gustav Hermann Krumbiegel: https://www.schlosspillnitz.de/

Tuesday, April 19, 2016

Streik


Seit gestern streiken die Textilarbeiter_innen in Bangalore, leider weiß ich nicht warum. Jedenfalls sind heute morgen die Proteste eskaliert, es wurden Steine geworfen und Busse brannten, und zwar in der Nähe der Yeshwantpur Busstation. Außerdem wurden Ausfallstraßen, an denen die Textilfabriken liegen, blockiert.



Das alles wusste ich jedoch nicht, als ich beschloss, einmal die Metro bis zur Endstation Nagasandra zu fahren, die ziemlich weit im Nordwesten liegt, ein Industrievorort. In Peenya, fünf Stationen vor der Endstation, stieg plötzlich das Sicherheitspersonal ein und versuchte, mit heftigem Trillern auf den Trillerpfeifen alle aus dem Zug zu bewegen. Das gelang nicht so wirklich, es gab einige Konfusion, Leute stiegen aus, dann wieder ein und schließlich fuhr der Zug weiter.



An der Nächsten Station stiegen einige aus, ich bekam nur mit, dass jemand etwas von Streik sagte. Draußen vorm Fenster war zu besichtigen, dass sich LKWs, Busse und PKWs auf der Autobahn stauten.



Schließlich fuhr die Metro durch die vorletzte Station durch, an der letzten Station wurden dann alle aus dem Bahnhof gescheucht und es wurden die Rollläden runtergelassen. Auf meine Frage, was denn jetzt passieren würde, hieß es nur, die Station würde geschlossen und vielleicht würde sie in einer halben Stunde wieder geöffnet.



Draußen versuchten Leute, Busse und LKWs anzuhalten, die in Richtung Innenstadt fuhren. Schnell war klar, dass hier kein Taxi zu haben sein würde, also hoffte ich, dass die Dame Recht haben und das alles nur eine halbe Stunde dauern würde.



So war es dann auch, als der Rolladen wieder hochging, setzte ein Sturm auf die Station ein. Da hier immer alle gescannt werden, dauerte es ein bisschen, bis die Schlange wieder kürzer wurde. Da die Metro bislang allerdings nur teilweise fährt, gibt es noch nicht so viele Fahrgäste. Das ändert sich bestimmt, wenn das mittlere Tunnelstück eröffnet wird, denn dann kann man sehr weit durch die Stadt fahren, ohne im Stau stecken zu bleiben.


Nachtrag: Nach der morgendlichen Zeitungslektüre weiß ich ein bisschen mehr. Die Proteste richten sich gegen die Veränderungen der Nutzung des Employment Provident Fund (EPF). Wenn ich das richtig verstanden habe, ist das wie eine Art Rentenversicherung. Allerdings können Arbeiter_innen bisher diese angesparten Gelder auch in Notsituationen wie Krankheit oder aber einer anstehenden Hochzeit in der Familie nutzen. Im Prinzip betreffen die Veränderungen (welche es konkret sind, ist mir nicht klar) alle Arbeiter_innen. Dass sich die Proteste aber vor allem auf die Textilarbeiter_innen konzentrieren, hat den Hintergrund, dass hier 75% Frauen arbeiten, die meist nur den Mindestlohn von weniger als 7000 Rupien verdienen (das entspricht etwa 92 €). Insofern sind sie häufiger darauf angewiesen, auf diese Gelder spontan zugreifen zu können. Zudem sind die Textilarbeiter_innen kaum gewerkschaftlich organisiert im Gegensatz zu den Industriearbeiter_innen, deren Gewerkschaften für Ende April Aktionen gegen das neue Gesetz planen. Die Nachrichten über die Gesetzesänderung haben die schwelende Unzufriedenheit über die Arbeitsbedingungen auf die Straßen getragen. Außerdem habe ich gelernt, dass Textilunternehmen versuchen, die Arbeiter_innen nie länger als 5 Jahre zu beschäftigen, weil sie sonst Aufschläge zahlen müssen.

Und im übrigen ist dann gestern auch tagsüber der komplette Busverkehr zusammengebrochen, da das städtische Busunternehmen die Busse, die nicht irgendwo im Verkehr steckten oder beschädigt worden waren, in die Depots zurück beordert hatte. Es sind wohl ziemlich viele Busse beschädigt worden, was jetzt vermutlich den Busverkehr noch weiter einschränken wird, da ohnehin eigentlich viel zu wenig Busse unterwegs sind.

Yeshwantpur Panorama




In Yeshwantpur, das im Nord-Westen der Stadt liegt, gibt es ein großes Verkehrsdrehkreuz: Ein Busbahnhof, eine Metrostation und ein Bahnhof treffen (fast) aufeinander. (Wenn man bereit ist, entweder mindestens einen Kilometer über eine vielbefahrene Straße ohne Fußwege zu laufen oder aber vielleicht einfach eine Autorickscha nimmt.) Der Busbahnhof liegt in einem großen Neubau mit einem 18stöckigen Parkhaus, das quasi leer ist. Draußen das übliche Verkehrschaos. Ich weiß nicht, wo diese ganzen Autos eigentlich mal parken, hier jedenfalls nicht.



Von oben hat man aber einen prima Blick in Richtung Osten und kann zum Beispiel auch einen Eindruck davon bekommen, warum Bangalore mal Garden City genannt wurde. Denn viel Grün gibt es tatsächlich immer noch, auch wenn – wie man hier eindrucksvoll sehen kann – sehr viele Flächen mit riesigen Apartmentkomplexen und Bürohäusern zugepflastert werden.



Unten vor dem Busbahnhof existiert allerdings auch noch ein Informal Settlement. Ich denke, es ist nur eine Frage der Zeit, wann die Stadt beschließt, dass es so etwas in dieser Location nicht mehr geben darf.

Monday, April 18, 2016

Markt in Koramangala




Anlässlich eines Ausflugs an die Outer Ring Road, eine Ringstraße, die in einem weiteren Kreis um das Zentrum von Bangalore herum führt, habe ich mir den Markt von Koramangala angeschaut, auf dem die lokale Bevölkerung ihre Wocheneinkäufe an frischem Obst und Gemüse tätigt. Mein indischer Begleiter gab an, dass hier bereits seine Mutter immer gekauft habe. Man habe einen festen Obsthändler, aber für das Gemüse gehe man erst einmal über den ganzen Markt (er hat eine Länge von etwa 500 Metern), frage nach den Preisen und vergleiche dann Preis und Qualität.



Am frühen Nachmittag des Sonntag war nicht allzu viel los, denn es war schlicht noch zu heiß. Allerdings kann man das Klima des Marktes unter den Bäumen durchaus genießen, denn den Schatten durchweht eine leichte Brise, was eine angenehme Erfrischung gegenüber der vorher auf dem Asphalt und in der Sonne zurück gelegte Strecke bedeutet.



Hier bieten hauptsächlich Bauern ihre Produkte an, die ihre Felder in der Peripherie der Stadt haben. Es macht Spaß, sich Gemüse anzusehen, das keine EU-Normen erfüllen muss.



Die Fotos habe ich eher heimlich gemacht, denn sobald ich die Kamera offen benutzt habe, hat das ein großes Hallo erzeugt. Meist muss man dann entweder viele Fotos von den Indern machen oder aber sich mit ihnen und ihren Kindern fotografieren lassen.