Thursday, February 12, 2009

Bosporus-U-Bahn



In Istanbul wird derzeit ein U-Bahntunnel unter dem Bosporus gegraben, bzw. es wird eine Tunnelröhre auf dessen Grund verlegt. Dies geschieht mit Hilfe von japanischen Spezialisten. Die Metrolinie soll einmal Sirkeci auf der europäischen Seite (dies ist die Endstation des legendären Orient-Express) mit Üsküdar in Asien verbinden.

Im Moment ist der Bosporus durch die fahrbaren Inseln etwas verengt, so dass große Schiffe manchmal kompliziert manövrieren müssen, um daran vorbeizukommen. Eine Großbaustelle befindet sich an der Spitze der Sultanahmet-Halbinsel. Hier ein Panorama der dortigen Bautätigkeiten. Die grüne Insel liegt ganz versteckt hinter dem Kran, deshalb musste ich sie noch einmal von oben aus einem Park fotografieren.

Wednesday, February 11, 2009

Parkhotel



So ziemlich jedeR Istanbulreisende hat sicher schon einmal die große Bauruine unterhalb des Taksim-Platzes am Hügel gesehen und sich gefragt, was denn das für eine Baustelle sein mag. Der Kasten wird momentan teilweise als Parkhaus genutzt, aber ansonsten sich selbst überlassen. Der Rohbau steht übrigens direkt neben dem Deutschen Generalkonsulat.



Diese Bauruine ist das Parkhotel, das aufgrund einer Gesetzgebung der letzten Militärdiktatur Anfang der 1980er Jahre gebaut werden sollte. Das Gesetz sah Sonderregeln für Bauvorhaben an touristischen Schwerpunkten vor. Das Parkhotel sollte 33 Stockwerke und eine Höhe von 123m erreichen (die Gebäude der Umgebung haben ca. 5 Stockwerke). Aufgrund von Nachbarschaftsinitiativen wurde die Baustelle mehrfach stillgelegt, bis schließlich 1993 der Bürgermeister 12 Stockwerke abreißen ließ und so das Gebäude auf die Höhe des benachbarten Generalkonsulats brachte. Zwischenzeitlich wurde überlegt, das Gebäude in ein Kulturzentrum umzuwandeln, Geld wurde für den Abriss gespendet, aber bislang ist wohl keine Entscheidung gefallen, was an dieser wichtigen – weil weithin sichtbaren – Stelle eigentlich passieren sollte. Insofern ist das monströse Gerippe ein Mahnmahl für eine verworrene städtische Baupolitik.



Nachtrag: Von der Fähre aus ist der Koloss in voller Pracht zu bewundern.

Tuesday, February 10, 2009

Karanfilköy (Gecekondu)



»Gecekondu« bedeutet etwa: über Nacht errichtet. MigrantInnen, die aus ländlichen Gebieten Anatoliens seit den 1950er Jahren nach Istanbul kamen, errichteten sich über Nacht zunächst sehr provisorische Häuser auf öffentlichem Grund, was nach altem osmanischen Recht als legitim galt. Da die Stadtverwaltung ohnehin den Wohnungsbedarf der Zuwandererströme nicht hätte decken können, war dies eine anerkannte private Initiative der Wohnraumgenerierung. Diese Siedlungen wurden meistens später legalisiert, d.h. die nach und nach verbesserten Gebäude wurden an die städtische Infrastruktur angeschlossen und die BewohnerInnen bekamen schließlich den Grund überschrieben. In vielen Siedlungen wurde der Landbesitz seit den 1980er Jahren in Apartmenthäuser umgewandelt, so dass mehr Raum für weitere Zuwanderer geschaffen wurde bzw. sich die alteingesessenen Zuwanderer räumlich verbessern konnten. Insofern kann man die ehemaligen Gecekondusiedlungen heute nicht mehr erkennen, denn es handelt sich meist um eng bebaute städtische Gebiete, die sich nur unwesentlich von anderen Bereichen unterscheiden. Einzig die Straßenstruktur zeigt manchmal von der Vergangenheit.



Karanfilköy ist wohl eine der letzten Istanbuler Gecekondu-Siedlungen, die ihren Originalzustand bewahrt hat. Es handelt sich um eine Art Gartensiedlung, die sich an einem Hügel in der Nähe einer Autobahn befindet. Die Straße, die zu ihr hinführt, ist auf der einen Seite noch nicht gebaut, auf der anderen führt sie in Richtung Autobahn. Karanfilköy mutet recht dörflich an. Direkt nebenan sind einige größere Apartmenthäuser errichtet worden, die aber noch recht einfach anmuten Allerdings liegt auf der gegenüberliegenden Seite eine Siedlung, die wohl eher upper middleclass-Standards erfüllt. Besonders auffällig ist ein Sportzentrum mit integriertem Starbucks und bewachten Parkplätzen, was deutlich macht, dass hier sehr unterschiedliche Lebensweisen lediglich durch eine wenig befahrene Straße getrennt sind.

Boğaziçi Köprüsü (Bosporusbrücke) I



Die Brücken über den Bosporus sind ziemlich beeindruckend. Bisher habe ich nur die erste Brücke wirklich in Augenschein genommen. Sie verbindet die Stadtteile Ortaköy auf der europäischen Seite und Üsküdar auf der asiatischen Seite. Gebaut wurde die ca. 1500m lange Hängebrücke 1973. Interessanterweise hat der Stuttgarter Architekt Paul Bonatz, der zwischen 1946 und 1954 Professor für Architektur an der TU Istanbul war, bereits eine Hängebrücke an genau dieser Stelle vorgeschlagen. Die Zeichnungen von Boantz (der übrigens die Autobahnbrücke über den Rhein bei Köln-Rodenkirchen gebaut hat) sehen eigentlich genau so aus, wie die Brücke dann 20 Jahre später realisiert wurde.

Etwas oberhalb der Brücke steht auch das Haus, das sich Bruno Taut ca. 1937 in Istanbul gebaut hat. es befindet sich heute wohl innerhalb einer Art Gated Community, deshalb kann man es nur von unten anschauen. es hat sicher einen tollen Blick, aber der Autolärm dürfte dieses Vergnügen etwas trüben.



Als ich gerade dort war, konnte ich noch diesen Blick auf das sehr beeindruckende Containerschiff erhaschen (15 40-Fuß Container lang – für die Schiffsfans unter den LeserInnen). Weil die Stadtverwaltung noch nicht wirklich verstanden hat, dass Brücken- und Schiffspotter Platz brauchen, haben sie leider keinen direkten Zugang zum Wasser unter der Brücke geschaffen. Die Brücke wird von der Polizei bewacht und man muss über einen Maschendrahtzaun hinweg fotografieren.

Moda

Der Stadtteil, in dem ich wohne, heißt Moda, was so viel heißt wie Mode. Besiedelt wurde dieses Gebiet bereits im 7. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung, so gesehen ist dieser Stadtteil sogar älter als Byzanz. Urban geworden ist er aber erst viel später. Hier lebten früher viele Armenier und andere Christen, deshalb gibt es viele Kirchen und nur wenige Moscheen. Neulich läuteten die Kirchenglocken der Französischen Kirche hinter meinem Haus zeitgleich mit dem Gesang des Muezzins. Da kann man also auch heute ein Stück Multireligiosität mitbekommen.



Am Anleger ist viel los, hier beginnen viele Buslinien und es gibt eine Einkaufsmeile mit Fußgängerzone. Wer keine Lust zum Laufen hat, kann sich auch mit der historischen Straßenbahn einmal rund um Moda bewegen. Die Waggons sind angeblich aus Gotha, so heißt es jedenfalls bei Wikipedia.



Wie bereits erwähnt, kann man von einigen Straßen aus direkt aufs Meer schauen, was mir sehr gefällt. Als Attraktion hat Moda angeblich den größten Wochenmarkt Istanbuls. Den habe ich noch nicht gesehen, dafür stand aber neulich eine Gans neben den Gemüseständen, die hier jeden Tag frische Ware anbieten.



Die Moda Caddesi ist sozusagen die Magistrale quer durch den Stadtteil. Sie ist ordentlich gepflastert und bepollert, es gibt sogar einen Radweg, obwohl ich hier noch niemanden habe Rad fahren sehen. Ehrlich gesagt halte ich das hier in Istanbul auch für eine Fortbewegungsart, die ausschließlich suizidal veranlagten Menschen vorbehalten ist.



Neben den hier überall sichtbaren Apartman-Häusern gibt es auch noch einige alte Gebäude. Manchmal wundert man sich darüber, wie sie in die neuere Architektur einbezogen werden. Auf der anderen Seite hat es vermutlich dieses Haus verhindert, dass die Straße verbreitert werden konnte. Und das erfüllt mich als Fußgängerin zuweilen mit Genugtuung.

Autobahnpanorama I




Istanbul hat viele Gesichter. Man läuft durch enge Gassen, gerät plötzlich an vielbefahrene Straßen, die unendlich laut und stinkig sind, dann ist manchmal der Fußweg zu Ende, aber irgendwie kommt man doch weiter. Und plötzlich steht man beispielsweise in einem innerstädtischen Autobahnpanorama, wo Straßenbahnen halten, man in Metrobusse (Schnellbusse) umsteigen kann und nebenher natürlich noch der ganze andere Verkehr um einen herum tost. Interessant ist aber auch, dass sich hier nochmal ganz andere Blicke ergeben. Man beachte: Der Kommunalwahlkampf hat begonnen und die Kandidaten schrecken nicht davor zurück, ganze Hausfassaden mit ihrem Bild zu schmücken.

Sunday, February 08, 2009

Verregneter Sonntag



Heute hat es den ganzen Tag geschüttet. Am späten Nachmittag habe ich mir dann aber doch den Wind um die Nase wehen lassen. An der Strandpromenade musste man aufpassen, dass einen die Wellen nicht nass machen. Die Möwen fanden den Wind wohl lustig und haben sich so gegen ihn gelehnt, dass sie sich kaum vom Fleck gerührt haben. Am Anleger hat eine vereinzelte Blumenverkäuferin ausgeharrt, obwohl sie wohl kaum Kundschaft gehabt haben dürfte. Einzig die Regenschirmhändler hatten etwas zu tun, wobei man mit Regenschirm auch nicht unbedingt besser ausgerüstet war.



Dann gab es noch diesen extrem dramatischen Himmel, den ich, trotz Kitschgefahr, natürlich niemandem vorenthalten kann.

Saturday, February 07, 2009

Bağdat Caddesi

Die Bağdat Caddesi ist eine sehr lange Straße, die in Fenerbahçe beginnt und in Kartal – sehr viel weiter südlich – endet. Sie verläuft auf der asiatischen Seite immer mehr oder weniger parallel zur Marmara-Küste. Früher war sie einmal eine wichtige Verbindungsstraße, die eben von der Hauptstadt des Osmanischen Reiches in Richtung Bagdad, einer anderen wichtigen osmanischen Stadt führte. In dieser Gegend (vor allem in Richtung Küste) wohnten viele wohlhabende Familien, meist Armenier, Levantiner, Griechen oder Juden. Weil aber seit der Republikgründung versucht wurde, die Türkei als ethnisch und religiös einheitlich zu definieren, war nur noch wenig Platz für nichtmuslimische Minderheiten. Seit 1942 wurde für sie eine Vermögenssteuer eingeführt, die einer Enteignung gleichkam. Die Pogrome von 1955 taten dann ein Übriges, die meisten verbleibenden Nichtmuslime aus der Türkei zu verjagen.



Von der alten Pracht ist nur wenig erhalten; einige teils verfallene, teils wieder restaurierte Konaks (prächtige Holzhäuser) sind Zeugen vergangener Tage. Heute ist die Bağdat Caddesi eine Einkaufsstraße, die in dem Ruf steht, sehr viel hochpreisige, aber vor allem westliche Läden zu beherbergen. So zeigt sich zum Beispiel ein Modeladen im alten Konak prächtig, aber auch eine Moschee ist zwischen den Geschäften und Wohnhäusern zu finden.



Ich musste bei meinem Besuch allerdings feststellen, dass die Berichte über das Niveau der Geschäfte teilweise ein wenig übertreiben (jedenfalls was das Straßenstück betrifft, in dem ich herumgelaufen bin). Denn es gibt jede Menge Gap und Zara-Läden, die zwar teuer aussehende selbst gebaute Häuser haben, aber letztlich eben doch das durchschnittliche Fußgängerzonen-Angebot bieten. Klar gibt es dann auch noch hochpreisige Läden, die dann auch architektonisch versuchen, sich nach vorne zu drängen, wie das etwa Burberrys tut. (Aber was Burberrys kann, kann das Florence Nightingale Krankenhaus auch.)



Aber auch die Ankündigung, hier gäbe es nur sehr teure Cafés, konnte ich nicht ganz nachvollziehen. Denn neben dem unvermeidlichen Starbucks gibt es auch weitere Kaffeehausketten, die zwar einen teureren Kaffee anbieten als, sagen wir, mein Lieblingsgetränkestand am Bosporus. Aber auch wenn der Tee das drei- oder vierfache kostet, liegt das noch voll im Budget eines türkischen Mittelklassehaushalts, der keinen Porsche Cayenne fährt. Wenn man jedenfalls den Europa-Asien-Vergleich bemüht – der zugegebenermaßen sehr häufig hinkt – kann man hier konstatieren, dass an dieser Stelle weder Europa aufhört noch Anatolien (gleichbedeutend mit DEM Orient) beginnt. Vielmehr trifft sich hier das globalisierte Kapital in fröhlicher Shoppinglaune.



An der Bağdat Caddesi wird auch weiterhin gebaut, was meist bedeutet, dass die Neubauten wesentlich höher sind als der Bestand. Im Durchschnitt findet man hier vierstöckige Häuser, im näheren Umfeld ist aber manchmal auch auf bis zu 20 Stockwerken erhöht worden, was natürlich für die BewohnerInnen der oberen Etagen mit einem herrlichen Blick verbunden sein dürfte. Blöd ist nur, wenn dann der Nachbar noch höher baut. An dem Plakat ist allerdings etwas sonderbar, dass die neuen Häuser offensichtlich voll im Grünen stehen. Die Grafik hat wohl vergessen, dass ringsum natürlich eng gebaut ist.